Ich blogge, also bin ich etwa blöd? – von Gastbeiträgen und „Kooperationen“

Gestern gab es wieder mal einen Gastbeitrag von Bettina Blaß. Von ihr nehme ich sehr gerne Gastbeiträge an, denn ich kenne Bettina seit vielen Jahren und weiß, dass ihre Beiträge sowohl sehr gut geschrieben als auch sauber recherchiert und in jeder Hinsicht unbedenklich sind.
Andere wollen ebenfalls gerne bei mir veröffentlichen: In schöner Regelmäßigkeit bekomme ich als Blogger E-Mails von mal mehr, mal weniger seriös wirkenden „Agenturen“, denen meine Blogs (neben meistensdigital Fit für Journalismus und einReisender) „sehr gut gefallen und sich gut eine Kooperation vorstellen können“.

Meistens handelt es sich um ziemlich plumpe Massenmails, die ich gar nicht beantworte, weil erkennbar ist, dass einfach E-Mail-Adressen von Blogs zusammengetragen wurden und niemand sich mehr als eine Sekunde mit den Themen der Blogs beschäftigt hat.
In letzter Zeit kamen ein paar „bessere“ Anfragen, bei denen sich jemand intensiv mit den Inhalten beschäftigt hat. So wie diese kurz vor Weihnachten:

Mein Kollege xxxx xxxx und ich bauen unter www.xxxxxx.de zur Zeit ein News-Portal zum Thema Smart Home auf.
Hierfür suchen wir nach etablierten Partnern und sind dabei auf Ihre Website gestoßen.

Gerne würden wir einen Gastartikel bei Ihnen veröffentlichen, z.B. im Bereich der Gebäudeautomation. Dieser würde selbstredend für Sie geschrieben und exklusiv bei Ihnen veröffentlicht werden. Wir denken hier an ca. 300-500 Wörter zu einem aktuellen Thema, welches Sie gerne vorgeben oder grob eingrenzen können sowie einer kurzen Autoren-Info samt Link auf unsere Seite.

Gebäudeautomation fand ich einigermaßen passend zu meistensdigital und weil die Anfrage eben nicht so plump war wie viele andere, habe ich geantwortet, dass ich gerne einen Gastbeitrag veröffentlichen würde. Mit folgender Einschränkung zum Text:

Solange es da nicht vor Werbung drin wimmelt, mache ich da keine Vorgaben. Vielleicht irgendwas zur Steuerung mit Smartphone/iPad… würde thematisch am Nächsten liegen…

Mir wurde dann ein Text zu einer LED-Lichterkette, die per App gesteuert werden kann, versprochen, der einen Tag später kam.

(Produktname): Sparsame Lichterkette mit App-Steuerung

(Produktname) heißt die frisch auf den Markt gebrachte, smarte Lichterkette von (Herstellername). Sie kann über das Smartphone gesteuert werden und in 16,7 Millionen Farben leuchten.
Ob Sie mit dem guten Stück Ihren Weihnachtsbaum optisch aufwerten oder draußen einen Strauch dekorieren – mit der (Produktname) Lichterkette haben Sie das ganze Jahr über Ihren Spaß. Per Smartphone steuern Sie Helligkeit und Farbe der LED-Beleuchtung, die auch bei schlechtem Wetter funktioniert – zertifiziert mit IP66 und IP44.

Bei aller Liebe, aber das war nun wirklich nicht, was ich mit unter einem Gastbeitrag so vorgestellt habe. Genauso gut hätte ich den Marketingtext des Herstellers 1:1 veröffentlichen können.
Ich habe das beim Autor angemerkt und er hat vollstes Verständnis gezeigt und mir eine neue Version des Textes geschickt, in der Herstellername und Produktname deutlich seltener verwendet worden wären.

(Produktname): Sparsame Lichterkette mit App-Steuerung

(Produktname) heißt die frisch auf den Markt gebrachte, smarte Lichterkette von (Herstellername). Sie kann über das Smartphone gesteuert werden und in 16,7 Millionen Farben leuchten.
Ob Sie mit dem guten Stück Ihren Weihnachtsbaum optisch aufwerten oder draußen einen Strauch dekorieren – mit der (Produktname) Lichterkette haben Sie das ganze Jahr über Ihren Spaß. Per Smartphone steuern Sie Helligkeit und Farbe der LED-Beleuchtung, die auch bei schlechtem Wetter funktioniert – zertifiziert mit IP66 und IP44.

Zumindest im ersten Absatz tauchten weder der Herstellername noch der Produktname seltener auf, der ganze Absatz war unverändert. Im weiteren Text wurde dann der Hersteller einmal weniger genannt und der Link war rausgenommen.

Und das war der Punkt an dem ich mich fragte: Halten die mich für blöd?
Jede 14-jährige Modebloggerin weiß doch, dass sie einen Betrag kriegt, der jedes monatliche Taschengeld armselig aussehen lässt, wenn sie einmal ein bestimmtes Modelabel nennt – ja, das ist übertrieben, weiß ich auch.
Aber hier versucht mich doch jemand zu verarschen. Oder er ist extrem unprofessionell, wenn er denkt, dass man einem Blogger mit Anspruch (ich bemühe mich zumindest), der außerdem noch Journalist ist und weiß, was Schleichwerbung bedeutet, einfach extrem werbliche Gastbeiträge ohne Bezahlung unterjubeln kann. Oder beides, was ich mittlerweile glaube.

Gesponserte Beiträge

Gegen ein Honorar mit der klaren Kennzeichnung als Sponsored Post hätte man drüber reden können. Solche Anfragen habe ich auch schon des Öfteren bekommen, meistens hat aber das Thema nicht gepasst. Gerade gestern kam wieder so eine Anfrage von Frau H. von der Agentur O.:

Guten Tag nach Köln, Herr Stoppacher,

sehr gern möchte ich für Ihre Seite fitfuerjournalismus.de einen interessanten Artikel verfassen lassen. Dieser Artikel wird natürlich einen Mehrwert für Ihre Leser bieten und ein externer Link wird zielgruppenorientiert und hilfreich gesetzt sein.

Im Gegenzug kann ich Ihnen einen Backlink für Ihre Seite anbieten. Alternativ bezahlen wir Sie auch gern für die Platzierung des Artikels und Links. Falls dies für Sie infrage kommt, senden Sie mir bitte folgende Infos:
• Wie hoch ist der Preis?
• Ist der Link „follow“?
• Ist der Artikel gekennzeichnet (z.B. als „Advertorial“ oder „Gesponsert“)?
• Können Sie mir eine Beispiel-URL für diese Art der Integration zusenden?

Liebe Frau H., wenn Sie sich mit Fit für Journalismus etwas mehr als 10 Sekunden beschäftigen würden, hätten Sie gemerkt, dass wir bislang keine gesponserten Beiträge veröffentlicht haben. Und da wir (Bettina und ich) uns als professionelle Journalisten verstehen, nicht mal im Ansatz auf die Idee kämen, einen solchen Beitrag ohne Kennzeichnung zu veröffentlichen.
Sehr professionell fand ich dagegen diese Anfrage:

Hallo Herr Stoppacher,

mein Name ist xxx xxxxx und ich arbeite im Auftrag der Online-Marketing Agentur xxxxx.
Ihre Website ist mir auf der Suche nach neuen Kooperationspartnern positiv aufgefallen.
Wir wären an einer Zusammenarbeit interessiert, da die Inhalte gut zu unserem Kundenprofil passen.
Unsere Agentur ist auf Link- und Contentmarketing ausgerichtet und betreut dabei eine Vielzahl namhafter Kunden aus relevanten Themenbereichen.

Ich möchte Ihnen gut recherchierte, redaktionelle Beiträge zu aktuellen Themen anbieten.
Die Texte werden speziell für Ihr Portal erstellt und an bestehende angeglichen – thematisch, sowie stilistisch.
Im Detail wird es sich um Gast- beziehungsweise Fachartikel handeln, welche keinen werblichen Charakter aufweisen.
Sie erhalten also informativen Content und zusätzlich eine Vergütung für die Veröffentlichung.

Falls ich Ihr Interesse wecken konnte, schreiben Sie mir einfach eine kurze Mail, dann sende ich Ihnen weitere Details zu Vergütung und Ablauf.
Wir freuen uns auf eine Antwort und beantworten umgehend alle Ihre Fragen.

Auch meine Antwort empfand ich dem angemessen:

Hallo Herr xxxx,

danke für Ihre Anfrage. Ich habe bislang keine guten Erfahrungen mit Kooperationen in Form von Gastartikeln gemacht.
Aber vielleicht schaffen Sie es ja, mich zu überzeugen.
Machen Sie mir doch bitte zunächst einen oder zwei Themenvorschläge, damit ich sehen kann, ob unser Verständnis der Thematik des Blogs übereinstimmt.

Das ist jetzt ca. 4 Wochen her und er hat sich nicht mehr gemeldet. Finde nur ich das unprofessionell?

Warum?

Warum handeln Agenturen so? Ich fürchte, weil es genug Blogger gibt, die auf so was reinfallen, die sich über die paar Euro freuen, keine ethischen oder moralischen Bedenken haben oder sich im Presserecht nicht auskennen. Oder alles zusammen.
Schon vor ca. 1,5 Jahren habe ich für t3n ein Interview mit Lars Siebenhaar zu Blogger Relations geführt, der auf Allaboutsamsung bloggt. Damals war ich noch mehr oder weniger „Unbeteiligter“, mittlerweile kann ich aus eigener Erfahrung den Ärger nachvollziehen.

Fazit

Diese unprofessionellen Anfragen kosten Zeit und bringen nichts.

Veröffentlicht von

Journalist und Inhaber dieses schönen Blogs.

8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. (Leider) Willkommen im Club. Schleichwerbe-Angebote sind für Blogger an der Tagesordnung. Demnach scheinen sie oft genug zu funktionieren. Solange der Leser nicht kritischer hinschaut, ändert sich daran wenig.

  2. Tja, es gibt halt immer wieder solche und solche… Herrlich, darüber auch hier zu lesen!

    Ich habe gerade eine recht positive Erfahrung in dieser Hinsicht gemacht – und mir erlaubt, den Link zu meinem Blogpost hinter meinen Namen zu legen: ich finde, am geschilderten Beispiel könnten sich einige Unternehmen gerne orientieren 😉

    Sportliche Grüße,
    Eddy

  3. Du sprichst mir aus der Seele! Ich habe bisher auch immer nur Marketing-Blabla bekommen. Bisher hat es auch noch keiner geschafft, einen Artikel mit Mehrwert für meine Leser zu verfassen, der eben diese nicht für völlig dumm und ahnungslos hält. Nein, ich brauch keinen 2-Seiten-Text darüber, zu welchen Themen man ein Fotobuch machen kann. Das kriegen meine Leser auch alleine hin.

    Mittlerweile sage ich immer, ähnlich wie du, dass ich den Text nur nehme, wenn ich einen klaren Mehrwert für meine Leser sehe, er nicht im Werbestil verfasst ist und nicht nach SEO stinkt. Eine Fragende hat sich bisher getraut, mir zu antworten. Ihr Text war Schrott.

    Ganz herrlich war vor einigen Wochen.
    Mail 1:
    „Sehr geehrte Damen/Herren Engelhardt,
    … blabla“

    eine Woche später: Mail 2:
    „Sehr geehrte Damen/Herren Engelhardt,
    wir haben noch nichts von Ihnen gehört … blabla“

    Ich hab geantwortet:
    „Sehr geehrte Damen/Herren ,
    leider habe ich kein Interesse.“

    😀

  4. Viele sind scheinbar doch geehrt, wenn sie eine Kräuterteemischung zum Ausprobieren bekommen. Darüber schreiben sie dann lang und breit und scheuen auch nicht davor zurück, Produkt- und Firmennamen zu erwähnen. Die Unternehmer freut das, weil so billige Werbung bekommen sie sonst nirgends und die Agenturen glauben, Blogger ticken eben so. Dann kommen diese „unmoralischen Angebote“ zustande. Über einen Blog seriös Werbung zu verkaufen, die eben als solche gekennzeichnet ist und adäquat abgegolten wird, wird m.E. immer schwieriger.

  5. Pingback: Kooperationsanfragen fürs eigene Blog

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