Das iPad als Babysitter

Ich war Anfang des Jahres im Urlaub in einem Hotel in der Türkei. Dort habe ich etwas beobachtet und ich bin mir immer noch nicht sicher, was ich davon halten soll.
Es waren viele Familien mit kleinen Kindern da und bei jeder Mahlzeit im Restaurant saßen Mama und Papa am Tisch und aßen, während die Kleinen (entweder am Tisch oder im Buggy neben den Tisch) auf dem iPad Kinderfilme schauten.

Eigentlich eine Win-win-Situation. Die Eltern können in Ruhe essen und müssen sich nicht die ganze Zeit mit ihrem Nachwuchs beschäftigen und den Kindern macht es bestimmt mehr Spaß, einen lustigen Film zu sehen, als am Tisch zu sitzen und zu warten, bis Mama und Papa sich wieder ihnen widmen können.

Wenn ich an meine eigene Kindheit zurückdenke, verstehe ich diese Eltern. Ich war gelinde gesagt sehr aufmerksamkeitsbedürftig – gerade in der Öffentlichkeit. Wahrscheinlich hätten meine Eltern für eine ruhige Minute, in der sie mal eine Mahlzeit essen können, ohne sich um mich kümmern zu müssen, ihre Seele verkauft. Entsprechende elektronische Ablenkungsspielzeuge gab es damals noch nicht und ein Buch hätten Mama oder Papa schließlich auch mit mir durchblättern müssen.

Auf der anderen Seite: Wie lernen diese Kinder denn sowas wie Tischmanieren? Ich bin kein Knigge-Fanatiker, aber Kinder lernen ja in erster Linie durch Nachmachen. Wenn sie vom iPad so gefesselt sind, dass sie die Welt um sie herum nicht wahrnehmen, wie können sie dann mitbekommen, wie Mama und Papa sich benehmen.

Der Nebeneffekt des Babysittings mit dem iPad: Zwischen den Eltern und den Kindern fand auch so gut wie keine Kommunikation statt. Ich hoffe, dass die Eltern sich wenigstens außerhalb der Mahlzeiten mit ihren Kindern beschäftigen und nicht nur die ganze Zeit auf ihr Smartphone starren, denn auch das war zu beobachten. Und nicht nur in meinem Urlaub. Auch hier sehe sehr oft Mütter und Väter, die sich statt mit den Kindern mit dem Smartphone beschäftigen. Auf dem Spielplatz geht dann alle paar Minuten der Blick mal rund, ob das Kind noch da ist und dann wieder aufs Display.
Ich will das nicht verurteilen, weil ich mir denken kann, dass Kinderbetreuung vielleicht nicht für jeden eine erfüllende Vollzeitbeschäftigung ist. Aber wie gesagt, Kinder lernen vieles durchs Nachmachen und wenn Eltern die ganze Zeit aufs Smartphone starren, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn die Kinder das dann ebenfalls tun.

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Journalist und Inhaber dieses schönen Blogs.