Ein Tag im Leben der Menschheit ohne Facebook

Was wäre wenn? Eine spannende Frage, je nachdem, was folgt. Was wäre wenn Facebook einen Tag nicht funktionieren würde. Serverabsturz, ein Gerichtsurteil, weil Mark auch irgendein Patent verletzt hat oder sonst was.

Was wäre wenn? Für mich persönlich kann ich die Frage beantworten: Ich würde am Tag mindestens eine Stunde mehr arbeiten und wieder mehr fernsehen. Komische Kombination, ich weiß. Aber ich kann es erklären. Während ich am Schreibtisch sitze und schreibe, ist im Hintergrund immer Facebook auf. Und spätestens nach einer Stunde Arbeit wird zur Entspannung mal ein Blick in die Timeline geworfen. Da ist ein interessanter Link, schnell angesehen, „geliked“ und/oder kommentiert, geteilt und wieder sind fünf Minuten rum. Sozusagen meine Art von Raucherpause. Ich habe mich schon ertappt, dass (insbesondere an heißen Sommertagen) ich mich frage, warum in meiner Timeline nichts passiert. Das schöne ist ja, dass sich die Seite automatisch aktualisiert, manchmal mehrmals pro Minute. Und bei knapp 600 Facebook-Freunden kann ich doch erwarten, dass irgendjemand irgendwas postet.

Womit ich beim Aspekt „mehr fernsehen“ wäre. Facebook ist mein Fernsehersatz geworden. Da passieren einfach mehr Dinge, die mich interessieren und ich bin gleichzeitig in Kontakt mit anderen Menschen (diese Sehnsucht nach Kontakt wird bei gleichzeitigem TV-Konsum unter dem Begriff „Social TV“ verbucht – Tausende Zuschauer kommentieren live TV-Ereignisse bei Facebook und Twitter).

Wenn es Facebook nicht gäbe, würde ich vermutlich mehr Fernsehen. Oder noch ne Stunde mehr arbeiten. Wer weiß. Generell würde ohne Facebook die Produktivität in den meisten Unternehmen spürbar steigen. Ich kenne so viele Leute, von denen ich weiß, dass sie tagsüber arbeiten (sollten). Und trotzdem wird munter gepostet, gelikt, kommentiert usw. Vielleicht wäre das die Rettung für die Weltwirtschaft. Einem Land geht es wirtschaftlich nicht gut? Facebook einen Monat abschalten, ruckzuck steigt die Produktivität der Volkwirtschaft.

Auch die Handynetze wären weniger verstopft. Ich alleine jage im Monat über 100 Megabyte nur für Facebook durch das O2-Netz und ich nutze Facebook zu ca. 90% zuhause am Computer. Ich könnte mir die Zeit in Bus, Bahn und an der Supermarktkasse nicht mehr mit Facebook verkürzen, aber das wäre kein Drama, schließlich kann ein Smartphone noch mehr als nur Facebook – wer wüsste das besser als ich.

Facebook fast alles verdrängt. MySpace? Studi/MeinVZ? Tot. Alles geht über Facebook. Viele andere Dienste wie Pinterest nutzen den Facebook-Login, damit die User möglichst einfach den Dienst nutzen können. Nur fürs Business ist Xing bislang geeigneter, aber wer weiß, wie lange noch. Wenn in den Unternehmen in 10 oder 20 Jahren auch die Entscheidungsträger Digital Natives sind, die vor der Geburt schon ein Profil von ihren Eltern angelegt bekommen hatten (ich weiß, so schnell geht es nicht), wird Facebook auch in den meisten Unternehmen Alltag sein und nicht nur zu Marketingzwecken. Bis dahin muss natürlich noch am Datenschutz gearbeitet werden. Aber Facebook sucht ja noch ein Geschäftsmodell: „Facebook Enterprise“?

Zum Schluss noch eine Anekdote, die ein paar Jahre her ist. Eine sehr beliebte Online-Community (quasi Marktführer) für eine spezielle Kundschaft hatte Serverprobleme und war einen Tag offline. Prompt trieben sich die User wieder auf den Konkurrenzplattformen rum, aber nur um dort zu diskutieren, wann denn nun der gewohnte Dienst wieder online ist.

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Journalist und Inhaber dieses schönen Blogs.