Zeitungsabos mit dem iPad – die neuen Handyverträge

Handys waren bei uns noch nie teuer. Man zahlte immer nur 1 Euro und übersah dabei, dass der Monatsbetrag für den Vertrag multipliziert mit 24 ungefähr das Doppelte des Gerätepreises ausmachte. Klar, dafür bekommt man dann eine Super-Duper-Mega-Flatrate in alle Netze und muss nur die SMS extra zahlen (braucht in Zeiten von WhatsApp kein Mensch).

Jedenfalls wurden auf diese Art Handys bei uns sehr günstig in der Anschaffung und jeder kann sich alle zwei Jahre eines neuen Geräts erfreuen. Die Hemmschwelle ist halt geringer, denn wer würde auf einen Schlag zum Beispiel 500 bis 700 Euro für ein Smartphone zahlen?

Bei Tablets wie dem iPad scheinen Verlage das Erfolgsmodell der Handys wiederholen zu wollen. Mehr und mehr Zeitungen bieten die Abos ihrer E-Paper im Bundle mit einem iPad an. Alle Verträge gelten dabei mindestens 24 Monate – genau wie bei den Handys.

  • Bei der Welt bekommt man das iPad Mini für 19,99 Euro im Monat inkl. den ePapern von Welt, Welt am Sonntag und dem kompletten Online-Angebot. Damit hat man zwar ca. 150 Euro mehr bezahlt, als wenn man das iPad Mini so kaufen würde (in der einfachsten Ausstattung), dafür hat man das Welt-Abo mit dabei.
  • Bei der SZ ist das Angebot ähnlich, mit 39,90 Euro im Monat aber doppelt so teuer.
  • Die Westfälischen Nachrichten verlangen 34,90.
  • Die BILD macht das ein wenig anders und verkauft die iPads und zusätzlich für 149,99 Euro im Jahr die BILD HD-App.

Es gilt dann jeweils im Kleingedruckten nachzusehen, wie man wieder aus dem Vertrag raus kommt. Denn es wäre ja ärgerlich, wenn sich das Abo automatisch um ein weiteres Jahr verlängert, wenn man lieber ein neues iPad haben möchte.

Die Westfälischen Nachrichten können da schon als vorbildlich betrachtet werden:

Nach Ablauf der Mindestvertragslaufzeit wird das Abo automatisch als normales, reines ePaper-Abonnement weitergeführt, der Preis wird entsprechend umgestellt und es gilt die allgemeine Kündigungsfrist von zwei Wochen zum Monatsende.

Quelle: https://abo.wn.de/pdf/AGB_WN-AZ-TB.pdf

Es besteht also zumindest hier  keine Gefahr, auf dem Abo sitzen zu bleiben, wenn das iPad „abbezahlt“ ist.

Für die Verlage scheint mir das ebenfalls ein einträgliches Modell zu sein. Bzw. kann es sich dazu entwickeln. Denn der Anteil der Nutzer von E-Paper-Ausgaben muss sicherlich noch steigen, um den Aufwand dafür zurechtfertigen (wobei ein PDF der gedruckten Ausgabe weniger Arbeit macht, als eine komplette App-Ausgabe). Vorteil für den Verlag: die beliebige Reproduzierbarkeit der E-Paper-Ausgabe. Egal, ob sie für 1.000 oder 10.000 Leute gemacht wird, die Kosten bleiben gleich. Anders als beim Print. Und vielleicht holen sich die Tageszeitungen so einen Teil ihrer Auflagenverluste wieder rein, indem sie einen modernen Weg des Lesens anbieten.

Veröffentlicht von

Journalist und Inhaber dieses schönen Blogs.

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